Konflikte im Sozialbereich – warum es (fast) nie um „Recht haben“ geht

26. Januar 2026
In sozialen Organisationen prallen Welten aufeinander: hohe Bedarfe, knappe Ressourcen, unterschiedliche Rollen – und Menschen, die jeden Tag emotional stark gefordert sind. Sandra, Fachbereichsleitung einer großen Stiftung mit Verantwortung für 1700 Mitarbeitende, beschreibt Konflikte nicht als Ausnahme, sondern als Tagesgeschäft. Und genau darin steckt eine zentrale Wahrheit: Konflikte sind nicht das Problem – der Umgang damit ist es.

Wenn Ressourcen knapp sind, werden Konflikte systemisch

Im Podcast mit Sandra Fountain wird schnell klar: Viele Konflikte entstehen nicht, weil „jemand schwierig ist“, sondern weil das System Druck erzeugt:

Das führt zu typischen Fragen, die jeden Tag neu verhandelt werden müssen: Wer trägt Verantwortung? Wer hat Kompetenzen? Wer entscheidet?

Die Konfliktzone: Schule, Eltern, Kind – und mittendrin die Begleitung. Ein besonders spannendes Feld ist die Inklusionsbegleitung: Dort treffen mindestens fünf Perspektiven aufeinander:

Sandra beschreibt dabei eine typische Schieflage: Hohe Verantwortung, wenig Macht, wenig Geld. Eine Konfliktmischung, die fast zwangsläufig knallt.

Form und Inhalt trennen – ein unterschätzter Gamechanger

Ein Mediationsthema, das im Gespräch sehr stark wird: Form und Inhalt auseinanderhalten.

Beispiel:

Eine Begleitung kritisiert eine Lehrkraft, weil das Kind aus ihrer Sicht schlecht behandelt wird. Der Inhalt („da läuft etwas nicht gut“) kann absolut wichtig sein. Die Form („ich bespreche das auf dem Flur“ oder „ich rufe die Eltern an und beschwere mich“) kann jedoch eskalieren und Vertrauen zerstören.

Die Lösung:

nicht „runter schlucken“, sondern in eine passende Form übersetzen – über Fachberatung, klare Gesprächswege und Rollenklärung.

Konflikte lösen heißt nicht:

Problem weg.

Sondern: Umgang finden.

Ein Satz, der hängen bleibt: Konfliktlösung bedeutet nicht, dass plötzlich alles harmonisch ist. Sondern dass ein Team oder System einen tragfähigen Umgang mit dem Trennenden entwickelt: unterschiedliche Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Werte, Meinungen. 

Das ist realistisch. Und genau deshalb so hilfreich.

Mini-Impuls für Teams:

Statt „Wer hat recht?“ eine Woche lang bewusst fragen:
➡️ „Was ist die Botschaft hinter dem Ärger – und was braucht es, damit wir arbeitsfähig bleiben?“

Theresa Vormbaum steht vor Publikum und hält einen Vortrag
Lunch mit Lösungen
Kostenloses Angebot: 15min Impulsvortrag mit anschließendem Q&A.