Wenn Ressourcen knapp sind, werden Konflikte systemisch
Im Podcast mit Sandra Fountain wird schnell klar: Viele Konflikte entstehen nicht, weil „jemand schwierig ist“, sondern weil das System Druck erzeugt:
- Unklare Kommunikation oder fehlendes Feedback
- Unrealistische Erwartungen oder zu hoher Druck
- Unterschiedliche Werte oder Arbeitsstile
- große Erwartungen an Menschen mit wenig Entscheidungsmacht
Das führt zu typischen Fragen, die jeden Tag neu verhandelt werden müssen: Wer trägt Verantwortung? Wer hat Kompetenzen? Wer entscheidet?
Die Konfliktzone: Schule, Eltern, Kind – und mittendrin die Begleitung. Ein besonders spannendes Feld ist die Inklusionsbegleitung: Dort treffen mindestens fünf Perspektiven aufeinander:
- das Kind mit seinen Bedürfnissen
- die Eltern mit Erwartungen und Sorgen
- die Schule als System (Lehrkräfte, Klassenlogik, Zeitdruck)
- die Inklusionsbegleitung mit eigener Motivation und Grenzen
- • der Träger, der Auftrag, Rahmen und Qualität sichern soll
Sandra beschreibt dabei eine typische Schieflage: Hohe Verantwortung, wenig Macht, wenig Geld. Eine Konfliktmischung, die fast zwangsläufig knallt.
Form und Inhalt trennen – ein unterschätzter Gamechanger
Ein Mediationsthema, das im Gespräch sehr stark wird: Form und Inhalt auseinanderhalten.
Beispiel:
Eine Begleitung kritisiert eine Lehrkraft, weil das Kind aus ihrer Sicht schlecht behandelt wird. Der Inhalt („da läuft etwas nicht gut“) kann absolut wichtig sein. Die Form („ich bespreche das auf dem Flur“ oder „ich rufe die Eltern an und beschwere mich“) kann jedoch eskalieren und Vertrauen zerstören.
Die Lösung:
nicht „runter schlucken“, sondern in eine passende Form übersetzen – über Fachberatung, klare Gesprächswege und Rollenklärung.
Konflikte lösen heißt nicht:
Problem weg.
Sondern: Umgang finden.
Ein Satz, der hängen bleibt: Konfliktlösung bedeutet nicht, dass plötzlich alles harmonisch ist. Sondern dass ein Team oder System einen tragfähigen Umgang mit dem Trennenden entwickelt: unterschiedliche Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Werte, Meinungen.
Das ist realistisch. Und genau deshalb so hilfreich.
Mini-Impuls für Teams:
Statt „Wer hat recht?“ eine Woche lang bewusst fragen:
➡️ „Was ist die Botschaft hinter dem Ärger – und was braucht es, damit wir arbeitsfähig bleiben?“